Ratgeber
Demenz-Test: Welche Untersuchungen Ärzte zur Früherkennung nutzen
Einen einzelnen Demenz-Test, der eine Demenz sicher erkennt, gibt es nicht. Bei Beschwerden setzt die Hausarztpraxis zuerst einen Kurztest wie den MMST oder den MoCA ein, dazu kommen das Gespräch mit Angehörigen, Blutuntersuchungen und oft eine Aufnahme des Gehirns. Menschen ohne Beschwerden sollen laut S3-Leitlinie nicht anlasslos getestet werden.
Wer nach einem Demenz-Test sucht, findet viele Fragebögen im Internet. Eine Demenz feststellen oder ausschließen kann keiner davon [7]. Die Diagnose stellen Ärztinnen und Ärzte, und sie setzt sich aus mehreren Untersuchungen zusammen [2]. Hier erfährst du, wann eine Untersuchung sinnvoll ist, welche Kurztests in der Praxis eingesetzt werden, welche weiteren Untersuchungen folgen können und was du von Bluttests und Selbsttests erwarten darfst. Wenn du zuerst einordnen willst, ob deine Vergesslichkeit im üblichen Rahmen liegt, lies den Ratgeber Demenz oder normale Vergesslichkeit?.
Wann ein Demenz-Test sinnvoll ist
Die S3-Leitlinie Demenzen der Fachgesellschaften für Psychiatrie und Neurologie unterscheidet zwei Lagen. Wer selbst über Probleme mit Gedächtnis oder Denken berichtet, auch erst auf Nachfrage in der Praxis, oder bei wem es andere Hinweise auf eine Demenz gibt, dem soll die Hausarztpraxis nach seiner Einwilligung einen kognitiven Kurztest anbieten. Diese Empfehlung ist stark [1]. Menschen ohne Beschwerden dagegen sollen nicht anlasslos auf geistige Einbußen untersucht werden. Auch diese Empfehlung ist stark [1].
Die Begründung liefert vor allem eine Studie mit 4.005 Patientinnen und Patienten aus Hausarztpraxen im Alter von durchschnittlich 74 Jahren. Wer auf Demenz untersucht wurde, hatte ein Jahr später weder eine bessere Lebensqualität noch weniger depressive oder ängstliche Beschwerden als die Vergleichsgruppe und plante auch nicht häufiger vor [1]. Ein Nutzen eines Tests ohne Anlass ist damit nicht belegt. Einen Schaden fand die Leitlinie allerdings ebenfalls nicht [1].
Wenn Warnsignale da sind, rät die Deutsche Alzheimer Gesellschaft, nicht zu warten. Die Abklärung sollte so früh wie möglich stattfinden, weil eine früh einsetzende Behandlung die Leistungsfähigkeit länger erhalten kann. Als Beispiele für solche Warnsignale nennt sie Vergesslichkeit bei wiederkehrenden Ereignissen und alltäglichen Dingen, Wortfindungsstörungen und Probleme mit der Orientierung [2].
Kurztests in der Hausarztpraxis
Kognitive Kurztests prüfen mit Fragen und kleinen Aufgaben die wichtigsten Hirnleistungen. Weit verbreitet sind der Mini-Mental-Status-Test, der Uhrentest und der DemTect [2]. Die Leitlinie nennt außerdem den MoCA [1]. Solche Tests dauern nach der Gesundheitsinformation des IQWiG meist etwa 15 Minuten [3]. DemTect und MoCA führen Ärztinnen, Ärzte oder geschultes Fachpersonal durch und werten sie aus [5, 6].

| Test | Was er prüft | Einsatz und Aussagekraft | Beleg |
|---|---|---|---|
| Mini-Mental-Status-Test (MMST) | Orientierung, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Sprache, einfache Handlungen | Verbreiteter Test bei Verdacht auf Demenz; bei sehr leichten Einbußen möglicherweise nicht empfindlich genug | [1, 4] |
| Montreal Cognitive Assessment (MoCA) | Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache, Orientierung, räumliches Denken, Planen | Etwa 10 bis 15 Minuten, bis 30 Punkte; die Leitlinie schlägt ihn bei Verdacht auf leichte Einbußen eher vor als den MMST | [1, 6] |
| DemTect | Gedächtnis und Lernen, Aufmerksamkeit, geistige Beweglichkeit, Wortfindung, verzögertes Erinnern | Im deutschen Sprachraum für leichte Einbußen eingesetzt; dauert meist nur wenige Minuten | [1, 5] |
| Uhrentest | Räumliches Vorstellungsvermögen und Planen | Meist ergänzend; erreicht nicht die Genauigkeit eines Tests, der das Gedächtnis prüft | [1, 4] |
Über viele Kurztests hinweg erkannten die Verfahren in einer Auswertung von 149 Studien mit über 49.000 Teilnehmenden 81 Prozent der Menschen mit einer kognitiven Störung oder Demenz. Von den Menschen ohne Störung wurden 89 Prozent richtig als unauffällig eingestuft. Kein Test war dem MMST dabei klar überlegen [1]. Bei sehr leichten Einbußen kann der MMST aber zu unempfindlich sein, dann schneidet jemand unauffällig ab, obwohl eine messbare Störung vorliegt. Für diesen Fall schlägt die Leitlinie den MoCA vor [1]. Für den MoCA gilt ein Wert unter 26 von 30 Punkten häufig als auffällig, das ist aber keine feste Diagnosegrenze [6].
Das Ergebnis hängt nicht nur vom Gedächtnis ab. Müdigkeit, Stress, akute Erkrankungen, Depressionen, Medikamente, Hör- oder Sehprobleme, der Bildungsweg und die Vertrautheit mit Tests können es beeinflussen [5]. Wer schlecht hört, sollte das vor dem Test ansprechen. Wann ein Hörtest sinnvoll ist, erklärt der Ratgeber Hörtest. Die Alzheimer Forschung Initiative rät davon ab, vorher zu Hause zu üben oder im Internet nach den Testaufgaben zu suchen [5].
Warum das Gespräch mit Angehörigen so viel zählt
Die Leitlinie empfiehlt stark, in der Hausarztpraxis Angehörige zu befragen, wenn sie verfügbar sind und die betroffene Person zustimmt [1]. Die eigene Einschätzung ist nämlich unsicher. Manche überschätzen ihre Einbußen, andere unterschätzen sie aus Scham, weil sie sie kleinreden oder weil sie sie selbst nicht wahrnehmen können [1]. In einer großen amerikanischen Studie, die die Leitlinie zitiert, war ein Fragebogen für Angehörige zu Alltagstätigkeiten beim Erkennen einer Demenz mindestens so genau wie ein kurzer Gedächtnistest. Beides zusammen war am genauesten [1]. Auch die Deutsche Alzheimer Gesellschaft nennt die Angaben einer gut informierten Bezugsperson die wichtigste Informationsquelle der Ärztin oder des Arztes [2].

Wenn du dir um einen Angehörigen Sorgen machst, kann unser Check zu Veränderungen im Alltag helfen, deine Beobachtungen vor dem Termin zu sammeln. Er ist kein Demenztest und ersetzt keine Untersuchung.
Welche Untersuchungen nach dem Kurztest folgen
Ein auffälliger Kurztest ist keine Diagnose. Nach der Deutschen Alzheimer Gesellschaft klärt die Ärztin oder der Arzt in drei Schritten, ob das Beschwerdebild zu einer Demenz passt, welche Ursache sie hat und welche Probleme und Fähigkeiten die Person im Einzelnen hat [2]. Dazu gehören je nach Lage die folgenden Bausteine.

- Blutuntersuchungen: Die Leitlinie empfiehlt als Grundausstattung unter anderem Blutbild, Salze im Blut, Leber- und Nierenwerte, einen Entzündungswert, den Schilddrüsenwert TSH und Vitamin B12 [1]. Damit sollen Ursachen gefunden werden, die nicht auf einer Demenzerkrankung beruhen.
- Aufnahme des Gehirns: Eine Computertomographie oder Kernspintomographie zeigt unter anderem Veränderungen der Gefäße und hilft, potenziell behandelbare Ursachen auszuschließen [1, 2]. Man liegt dafür rund 10 bis 15 Minuten ruhig in einer Röhre [2]. Ob eine Alzheimer-Krankheit vorliegt, verrät das Bild allein nicht [3].
- Fragen zur Stimmung: Die Leitlinie schlägt vor, bei Menschen mit leichten Einbußen oder Demenz Anzeichen einer Depression gezielt mit Gespräch und Fragebogen zu erfassen [1]. Wenn du dich zugleich niedergeschlagen fühlst, kann der Altersdepression-Test vor dem Termin helfen.
- Nervenwasser: Bei unklarem Bild kann eine Untersuchung des Nervenwassers aus dem unteren Rücken helfen. Finden sich dort die typischen Eiweiße Amyloid und Tau, spricht das mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 90 Prozent für die Alzheimer-Krankheit. Danach kann es zu Kopfschmerzen kommen [2].
- Amyloid-PET: Diese spezielle Bildgebung kann die typischen Eiweißablagerungen ebenfalls sichtbar machen [3].
Ausführliche neuropsychologische Tests gibt es in spezialisierten Einrichtungen wie Gedächtnisambulanzen. Auch sie reichen allein nicht für die Diagnose, weil zu einer Demenz immer Einschränkungen im Alltag gehören, die über das Gespräch mit der Person und ihren Angehörigen erfasst werden [1]. Nach der Deutschen Alzheimer Gesellschaft ist die klinische Diagnose der Alzheimer-Krankheit in über 80 Prozent der Fälle zutreffend, mit speziellen Untersuchungen lässt sich die Sicherheit noch erhöhen [2].
Bluttests und Gentests: was die Leitlinie davon hält
Seit einigen Jahren gibt es Bluttests, die Hinweise auf alzheimertypische Veränderungen im Gehirn liefern sollen. Einzelne werden bereits für Selbstzahler angeboten [1]. Die Leitlinie rät stark davon ab, die Diagnose allein auf solche Blutwerte zu stützen. Sie sollen derzeit durch Untersuchungen des Nervenwassers oder eine PET abgesichert und von Fachleuten gedeutet werden. Allgemein gültige Grenzwerte gibt es noch nicht, und andere Erkrankungen wie eine Nierenschwäche können die Werte verfälschen. Ob eine Versicherung die Kosten übernimmt, muss im Einzelfall geklärt werden [1].
Ähnlich klar ist die Leitlinie beim Gentest auf das sogenannte ApoE-Gen. Die Variante Epsilon 4 hängt mit der Alzheimer-Krankheit zusammen. Für die Diagnose, die Abgrenzung von anderen Demenzformen oder eine Vorhersage soll der Test trotzdem nicht eingesetzt werden, auch das ist eine starke Empfehlung [1]. In einer Studie mit 1.770 verstorbenen Menschen mit Demenz hatten nur 65 Prozent derer mit Alzheimer-Veränderungen im Gehirn dieses Merkmal, und es fand sich auch bei 32 Prozent der Menschen mit Demenz ohne Alzheimer-Veränderungen [1].
Was Online-Selbsttests leisten können
Die Alzheimer Forschung Initiative mahnt bei Demenz-Selbsttests zur Vorsicht. Sie prüfen meist nur einzelne Fähigkeiten wie Gedächtnis oder Aufmerksamkeit, und ihre Ergebnisse können falsch positiv oder falsch negativ ausfallen. Alter, Bildung, Erkrankungen, Medikamente und die Situation beim Test beeinflussen das Ergebnis. Außerdem lohnt die Frage, wer einen Test anbietet und was mit den eingegebenen Gesundheitsdaten geschieht [7].
Die Checks auf dieser Seite, etwa der Gedächtnis-Kurztest, sind eigene Fragebögen. Sie werten im Browser aus, speichern nichts und geben dir eine grobe Einordnung, mit der du ins Arztgespräch gehen kannst. Eine Diagnose stellen sie nicht. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden empfiehlt die Alzheimer Forschung Initiative eine ärztliche Abklärung, am besten zuerst in der Hausarztpraxis [7].
Warum sich eine frühe Abklärung lohnt
Eine Abklärung kann auch entlasten. Ähnliche Beschwerden können andere Ursachen haben, etwa eine Depression, einen Mangel an Flüssigkeit oder Vitaminen oder Nebenwirkungen von Medikamenten, und diese lassen sich oft gut behandeln [3]. Liegt eine Alzheimer-Krankheit im frühen Stadium vor, kommen seit Herbst 2025 zusätzlich zwei neue Wirkstoffe in Frage. Sie setzen eine genaue Diagnose und spezielle Untersuchungen voraus [3]. Heilen oder aufhalten lässt sich die Alzheimer-Demenz nach der Gesundheitsinformation des IQWiG bisher nicht [3].
Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis, bei Verdacht auf eine Demenz kommt auch eine Gedächtnissprechstunde in Frage [8]. Gerade bei leichten, beginnenden Einbußen empfiehlt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft, nach Absprache mit der Hausarztpraxis eine Fachärztin oder einen Facharzt für Neurologie oder Psychiatrie oder eine Gedächtnissprechstunde aufzusuchen. Sag dort auch, welche Medikamente du nimmst und welche anderen Krankheiten du hast [2].
Anlaufstellen für dich und deine Angehörigen, darunter das Pflegetelefon, stehen auf der Seite Hilfe finden.
- Leitlinie S3-Leitlinie Demenzen, Living Guideline, Langfassung, AWMF-Register-Nr. 038-013, Version 5.0. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Stand 28.02.2025. abgerufen am 28.10.2026
- Organisation Informationsblatt 3: Die Diagnose der Alzheimer-Krankheit und anderer Demenzerkrankungen. Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz. Stand November 2018. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Alzheimer-Demenz. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 12.05.2025. abgerufen am 28.10.2026
- Organisation Psychometrische Tests: MMST, Uhrentest und Co.. Alzheimer Forschung Initiative e. V.. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
- Organisation DemTect. Alzheimer Forschung Initiative e. V.. Stand Juli 2026. abgerufen am 28.10.2026
- Organisation MoCA-Test. Alzheimer Forschung Initiative e. V.. Stand August 2026. abgerufen am 28.10.2026
- Organisation Demenz-Selbsttests. Alzheimer Forschung Initiative e. V.. Stand o. J.. abgerufen am 28.10.2026
- Behörde Psychische Gesundheit im Alter. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 08.01.2026. abgerufen am 28.10.2026
Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.
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